Freitag, 7. Juli 2017

Frage-Freitag: Clara Gabriel





Liebe Clara, stelle dich doch bitte kurz vor.
Gern! Hallo, ich bin Clara Gabriel, 38 Jahre alt, glücklich verheiratet und ganz frischgebackene Autorin und Selfpublisherin. Mein erster Roman „Postkarten an Dora“ ist vorgestern erschienen, deshalb freue ich mich sehr über dieses Interview. (Mein allererstes, yay, Konfetti!!!) Zurzeit ist für mich alles sehr neu, aufregend und spannend.



Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Eigentlich habe ich mir schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht und sie aufgeschrieben. Aber das Schreiben war für mich immer nur ein ganz privates Hobby, bis mir in unserem Keller eine alte Postkartensammlung aus der Zeit von 1905-1913 in die Hände fiel, die mein Vater vor etlichen Jahren geerbt hatte. Ich stellte fest, dass die meisten Karten an die gleiche Person adressiert waren: Dora Neumann. Die ältesten Karten gingen an verschiedene Adressen in London, die meisten aber ab 1907 an ihre Adresse in der Reconquista 322, Buenos Aires.
Das hat meine Neugier geweckt und ich wollte wissen: wer war diese Frau, die vor über hundert Jahren nach Argentinien ausgewandert ist? –das ist ja selbst heutzutage immer noch ungewöhnlich. In der damaligen Zeit muss es ein riesengroßes Abenteuer gewesen sein. Und so begann ich zu recherchieren, doch alle Spuren endeten im Nichts. Trotzdem hat mich Dora nicht mehr losgelassen, ich war regelrecht verliebt in diese unbekannte Frau und hab manchmal sogar von ihr geträumt. Ich sage immer: „Ich bin von ihr besessen!“ und das meine ich ganz positiv. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Dora denke. Und so entstand irgendwann die Idee, mir ihre Geschichte einfach selbst auszumalen und einen Roman daraus zu machen.



Erzähle uns bitte ein bisschen über dein Buch.
„Meine“ Dora ist eine junge, sehr eigenwillige Frau. Sie ist am Anfang des Buchs gerade mal 17 und ihr Vater will, dass sie Lehrerin wird. Eigentlich ein sehr moderner Vater, denn arbeitende Frauen sind Anfang des 20. Jahrhunderts noch eine Seltenheit, zumindest auf dem Land. Aber Dora hat andere Pläne, denn sie träumt von einer großen Karriere als gefeierte Schauspielerin im fernen Amerika. Und sie hat eine große Schwäche: Dora sammelt Postkarten von exotischen Orten und berühmten Stars und Sternchen der damaligen Zeit. Deshalb lässt sie sich zu einer großen Dummheit hinreißen. Als sie aufzufliegen droht, entscheidet sie sich, einfach fortzulaufen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand. Ein bisschen zu naiv vielleicht, denn sie stellt schnell fest, dass ihr Geld nicht für eine Schiffspassage nach Amerika reicht. Gott sei Dank trifft sie auf Martha Löwenstein, eine ausgebildete Tänzerin, die Dora unter ihre Fittiche nimmt. Und ab da nehmen die Dinge ihren ganz eigenen Lauf.
Das Buch handelt von einer jungen Frau, die bereit ist, für ihre Träume zu kämpfen. Sie will mit dem Kopf durch die Wand und übersieht dabei, dass nichts so leicht ist, wie sie es sich ausgemalt hat. Außerdem hat sie ein Händchen dafür, sich die falschen Männer auszusuchen… Aber sie ist ein echtes Stehaufmännchen, und lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Dora ist kess und nicht auf den Mund gefallen. Zur Not flunkert sie, dass sich die Balken biegen, aber sie ist dabei immer charmant. Ich glaube, sie ist einfach ein bisschen so, wie wir alle gern wären: mutig und frei und ein bisschen wild.
Zumindest wäre ich manchmal gern ein bisschen mutiger, siehe nächste Frage. ;)


Wie hat dein Umfeld reagiert, als sie erfahren haben, dass du ein Buch schreibst?
Gar nicht, da es nur die allerengsten Vertrauten wussten. Ich war da ein bisschen  feige schüchtern und wollte erstmal abwarten, ob es irgendwann überhaupt mal ein Buch geben wird. Aber meine Eltern und mein Mann wussten natürlich Bescheid und standen die ganze Zeit voll hinter mir. Und ich hatte während des Schreibens meinen Coach Rainer Wekwerth an meiner Seite, der eigentlich nur dafür da war, meine enormen Selbstzweifel zu zerstreuen und mir gut zu zu reden. (Danke, Rainer!)

Hattest du sie Geschichte von Anfang an im Kopf durchgeplant oder entwickelte sie sich beim Schreiben?
Ja und nein. Ich habe die Geschichte komplett geplotted, aber während des Schreibens hat sie eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Situationen oder Sätze, die ich für die Charaktere vorgesehen hatte, kamen auf einmal ganz anders raus. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich entschied, nicht mehr zu planen, was Dora sagen soll, sondern einfach darauf zu hören, was sie sagen will. –das klingt jetzt vielleicht ein bisschen schizophren, aber es war wirklich so, dass Dora im Laufe des Buchs ihren eigenen Kopf entwickelt hat. Sie hat sich dann nicht mehr einfach irgendwas in den Mund legen lassen, sondern hat Sätze gesagt, auf die ich nicht im Traum gekommen wäre. Ich war bloß noch das Werkzeug, das sie brauchte, um ihre Worte zu Papier zu bringen. Und nein, ich bin NICHT verrückt! –oder doch?!? Seit ich Dora „kenne“, zweifle ich ein bisschen daran…😀

Wo schreibst du am liebsten? Hast du Rituale?
Tatsächlich schreibe ich am liebsten erstmal von Hand, während ich auf der Couch sitze und tippe es dann später ab. Dabei redigiere ich mich das erste Mal selbst und merke: Moment, da hakt was, der Satz klingt scheiße.

Arbeitest du schon an weiteren Projekten?
Ja, ich arbeite am zweiten Teil von Doras Geschichte und Band 3 ist in Planung. Außerdem waren in dem alten Album noch fünf Postkarten an eine gewisse „Minna“ in Südafrika. Und es brennt mir schon unter den Nägeln, sie in die Wildnis zu schicken! *diabolisches Grinsen* Die gute Minna ist nämlich das komplette Gegenteil von Dora und ein bisschen schüchtern. Und ich stelle es mir sehr lustig vor, eine unsichere, gehemmte Frau im Jahre 1905 nach Afrika reisen zu lassen. –mutterseelenallein, all die wilden Tiere, vor denen sie sich fürchten kann, die fremden Gerüche, Orte, Sprachen…traumhaft! Da geht sofort meine Fantasie mit mir durch. 😀
Außerdem habe ich eine Website, ähnlich wie ein Blog, auf der ich nach und nach alle 192 historischen Ansichtskarten aus Doras Sammlung veröffentlichen werde. Da gibt es noch reichlich zu tun, langweilig wird mir also so schnell nicht mehr. Wer sich für die Original-Postkarten, die mich zum Buch inspiriert haben, interessiert, darf gerne mal reinschauen: www.doras-postkarten.de


Was liest du gerne und hast du ein Lieblingsbuch?
Man soll’s kaum glauben, aber persönlich habe ich einen eher männlichen Lesegeschmack. Ich mag zum Beispiel Hemingway oder Hunter S. Thompson. Und ich habe eine große Schwäche für die Scheibenwelt-Bücher von Terry Pratchett.
Aber mein absolutes Lieblingsbuch ist und bleibt Goethes Faust. –vermutlich, weil ich in der Schule nicht gezwungen wurde, ihn zu lesen, sondern ihn als Erwachsene freiwillig für mich entdecken durfte. Der Faust ist einfach zeitlos und da findet sich zu jeder Lebenslage das passende Zitat.

Welche Figur aus einem Buch würdest du gerne mal treffen?
Ich würde sehr gern mal Sam Mumm auf seiner Nachtwache begleiten und mit ihm durch die Straßen von Ankh-Morpork schlendern. Und natürlich meine Dora. Ich hätte so unendlich viele Fragen an sie…


Ein paar schnelle Fragen:

Chaotin oder Perfektionistin?
Chaotin!
Langschläfer oder Frühaufsteher?
Frühaufsteher
Kaffee oder Tee?
Kaffee! VIEL Kaffee!!!
Sommer oder Winter?
Egal. Hauptsache Wetter!
Berge oder Meer?
Beides! Aber wenn ich wählen muss: Meer.
Farbe deiner Zahnbürste?😉
Weiß mit einem kleinen türkisen Aufsteckring zum Wiedererkennen. 😀



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