Freitag, 30. Juni 2017

Frage-Freitag: Heike Eva Schmidt




Liebe Heike, stelle dich doch bitte kurz vor:
Hallo, ich bin Heike Eva Schmidt. Jedenfalls die meiste Zeit, wenn ich nicht unter „Veronika May“ oder Lilly Crow schreibe 😃.  Ich arbeite aber nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als Drehbuchautorin und manchmal  auch als Journalistin und wohne im wunderschönen Bayern zwischen Bergen und Seen.



Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich wollte schon als Kind Schriftstellerin werden. Weil ich mich aber lange nicht getraut habe, diesen Traum zu leben, bin ich über einige Umwege (unter anderem eine Lehre als Bürokauffrau und ein Psychologie-Studium) zum Schreiben gekommen. Aber ich habe gemerkt, dass mich dieser Wunsch nie losgelassen hat – und irgendwann war es dann soweit. Nachdem ich ein Stipendium bei der Drehbuchwerkstatt München bekommen hatte und dann einige Zeit als Drehbuchautorin tätig war, habe ich meine Ängste und Bedenken über Bord geworfen und einfach  mal drei verschiedene Buch-Ideen an Verlage geschickt. Alle wurden gekauft („Purpurmond“, „Schlehenherz“ und „Amerika liegt im Osten“). Dann hatte ich schlagartig ein neues Problem: Ich musste innerhalb kurzer Zeit drei Romane schreiben  ;)



Deine Bücher sind in komplett verschiedenen Genres angesiedelt, jetzt veröffentlichst du sogar ein Kinderbuch – brauchst du die Abwechslung?
Das auch. Einerseits macht mich Routine tatsächlich kirre, aber der Hauptgrund, warum ich in verschiedenen Themenbereichen schreibe ist: Meine Ideen generieren das Genre. Wenn ich einen Einfall habe, dann bin ich nicht festgelegt auf das, was ich bisher geschrieben habe. Also ich sage nicht: „Ich habe bisher drei Jugendthriller und zwei Fantasybücher geschrieben, ich werde nie etwas anderes schreiben.“ Wenn mir ein entsprechender Einfall kommt, kann alles dabei rauskommen. Zum Beispiel – so wie jetzt – ein Kinderbuch.


Du nutzt verschiedene Pseudonyme beim Veröffentlichen deiner Bücher? Weshalb?

Das Pseudonym „Veronika May“ habe ich mir ausgesucht, weil ich im Genre „Frauenromane“ neu eingestiegen bin und ich unter meinem Namen Heike Eva Schmidt eben schon im Genre „Fantasy“, „Jugendroman“ und „historischer Roman“  schreibe. ZU viele verschiedene Genres unter demselben Namen zu bedienen, finde ich nicht so gut. Natürlich kann es auch sein, dass der Verlag ein Pseudonym vorschlägt, zum Beispiel „Lilly Crow“, weil der Buchtitel englisch ist.



Wie kommen Dir die Ideen zu Deinen Büchern?
Sie überfallen mich – anders kann ich das nicht sagen. Es kommt wirklich manchmal „angeflogen“, wenn ich etwas sehe oder Fetzen eines Gesprächs mitbekomme. Dann reift eine Idee in meinem Kopf und ich „kaue“ ein paar Tage darauf herum. Und wenn ich merke, es trägt, dann wird meist eine Geschichte daraus.



Wo schreibst du am liebsten? Hast du Rituale?
Am liebsten – und eigentlich auch ausschließlich – schreibe ich bei mir zuhause. Dort habe ich einen „Schreibplatz“, der auch wirklich nur dafür da ist. Und einigermaßen aufgeräumt 😀.Mein Ritual ist: auf jeden Fall zuerst einen Milchkaffee (oder einen doppelten), dann lese ich erst einmal das Korrektur, was ich am Vortag geschrieben habe. Kreativ werde ich meist erst später am Nachmittag. Nach noch einem Kaffee ☕

Erzähle uns ein bisschen von deinen Büchern. 
Ich liebe Figuren, die nicht „glatt“ sind. Die also durchaus ihre Macken und Eigenheiten haben. Jede meiner Heldinnen muss durch gewisse Sachen „durch“ – und ich mache es ihnen da echt nicht leicht. Sie haben Kummer, Trauer und Verluste zu verkraften – aber es gibt auch schöne und sehr lustige Erlebnisse. Für mich ist die Mischung wichtig, denn oft liegt unter der Komik eine gewisse Traurigkeit und umgekehrt. Das muss man allerdings gut dosieren und ich hoffe bei jedem Buch immer wieder aufs Neue, dass es mir gelingt.  Alle meine Figuren besitzen einen gewissen (auch manchmal schwarzen) Humor, weil ich glaube, ohne diesen ist der Alltag deutlich schwieriger und man tut gut daran, auch mal herzhaft über sich selbst und diesen Wahnsinn, der sich „Leben“ nennt, zu lachen. Zudem – das gebe ich hier zu – stehe ich eigentlich auf Happy Ends und bin eine „anonyme Romantikerin“. Und auch das liest man (hoffentlich) in meinen Büchern heraus.

Arbeitest du gerade an weiteren Projekten?
Ich schreibe zur Zeit an meinem neuen Frauenroman unter „Veronika May“, der im Sommer 2018 erscheint – und überlege mir schon Ideen für den 2. Band meines Kinderbuchs.  Und die eine oder andere Idee grummelt auch schon wieder im Bauch... Da ich aber parallel noch als Drehbuchautorin tätig bin, geht das alles nicht soooo schnell – sonst dürfte ich überhaupt nicht mehr schlafen!



Wenn du ein Buch beginnst – kennst du das Ende dann schon oder entwickelt sich das beim Schreiben?
Sobald ich anfange, das Exposé zu schreiben (= die Kurzfassung der Geschichte, ohne ein Exposé kauft kein Verlag ein Buch), steht die gesamte Geschichte fest, von Anfang bis Ende samt der Wendepunke. Manchmal ändert sich allerdings die Handlung während des Schreibens noch ein bisschen, es kommen Ideen dazu oder eine Figur will nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Das passiert nämlich auch manchmal, dass die Charaktere ein Eigenleben führen und der Autor dann seinem Charakter folgt – statt umgekehrt.

Was liest du gerne und hast du ein Lieblingsbuch?
Ich lese selbst nur Bücher solcher Genres, die ich selbst NICHT schreibe. Also Belletristik und gerade „Das Café der Existenzialisten“ eine Art dokumentarische Erzählung über die Geschichte der Philosophie. Was ich ebenfalls wirklich sehr gerne gelesen habe, war „Altes Land“ von Dörte Hansen und „Rot“ von Uwe Timm.

Welche Figur aus einem Buch würdest du gerne mal treffen?
Da fällt mir niemand ein. Aber ich würde gerne alle Protagonistinnen aus meinen verschiedenen Büchern an einen Tisch versammeln und mal sehen, wie die Mädels so miteinander klarkommen  - das wäre sicher spannend 

Und noch ein paar schnelle Fragen:

Chaotin oder Perfektionistin?
 Beides! In der Arbeit absolute Perfektionistin – im Alltag oft Chaotin!

Langschläfer oder Frühaufsteher? 
Da fällt die Antwort eindeutig aus; Langschläferin! Wenn man mich lässt. Bei Drehbuchprojekten bin ich dann unfreiwillige Frühaufsteherin! Und damit beantwortet sich auch die nächste Frage:

Kaffee oder Tee?
Kaffee.  Ohne den werde ich morgens nicht wach und renne gegen Türen und Wände   Aber später kommt auch immer eine Kanne grüner Tee dazu. Und im Winter trinke ich kein Wasser, sondern Tee.

Süß oder herzhaft? 
Süß. Geht immer. Muss sogar sein. Sonst werde ich sauer...!

Sommer oder Winter? 
Mhm, also ich sag mal so: eher Sommer. Aber als diesen Winter unser See zwei Wochen so zugefroren war, sodass ich jeden Morgen Schlittschuh laufen konnte – das hatte schon was!

Berge oder Meer? 
Als wohnhafte Bayerin natürlich in erster Linie: Berge. Ich liebe ihre majestätische Ausstrahlung, sie sind so groß und so alt und man kommt – trotz der Höhe – sofort wieder „auf den Boden“, wenn man dort  oben ist. Aber auch hier liebe ich das andere Extrem und es gibt für mich kaum was Schöneres, als im Januar an der Nordsee Urlaub zu machen. Das Meer hat jeden Tag eine andere Grau-Schattierung und der klare Himmel mit den Möwen ist einfach eine Wohltat für Geist und Seele.

Lieblingsfarbe? 
Die des Sommerhimmels am Abend. Und seine Farbe an einem Winter-Morgen, wenn gerade die Sonne aufgeht. Das sind Farben, für die es keinen Namen gibt, das muss man einfach sehen.



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